Mit der richtigen Unterstützung wird es genau das, was ihr euch erhofft habt" — Interview mit Monika Strell

Wer als deutschsprachiges Paar in Schottland heiraten möchte, stellt sich früher oder später eine ganz konkrete Frage: Wer begleitet uns dort? Wer versteht unsere Sprache, unsere Erwartungen — und kennt gleichzeitig das Land so gut, dass er oder sie uns wirklich helfen kann?

Monika Strell ist Österreicherin, lebt seit über 25 Jahren in Schottland und arbeitet als autorisierte Traurednerin — in den Highlands, an der Küste, auf Inseln und überall dazwischen. Sie spricht fließend Deutsch und Englisch, und was sie von anderen unterscheidet: Sie versteht beide Kulturen von innen heraus. Ich habe Monika ein paar Fragen gestellt. Ihre Antworten haben mich mehr als einmal zum Nachdenken gebracht.

Warum heiraten Paare aus Deutschland in Schottland?

Monika, du begleitest viele Paare aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die in Schottland heiraten möchten. Was bewegt sie dazu?

In den letzten Jahren ist die Zahl deutschsprachiger Paare deutlich gestiegen. Viele entscheiden sich für ein Elopement, andere bringen eine kleine Gruppe von Freund:innen mit, und manchmal sind es auch größere Feiern. In Schottland ist fast alles möglich — und ich halte Zeremonien überall im Land, ganz so, wie es für das Paar passt.

Brautpaar von hinten an der schottischen Küste, Klippen im Hintergrund, Braut mit Strauß in der Hand

Was bewegt diese Paare deiner Erfahrung nach am meisten?

Viele haben sich bei früheren Reisen in Schottland verliebt oder tragen schon lange eine tiefe Sehnsucht nach diesem Land in sich. Es ist etwas ganz Besonderes, diesen Wunsch nach einer Hochzeit an einem Ort zu erfüllen, der ihnen so viel bedeutet. Für andere ist es vor allem die Möglichkeit, eine freie Trauung zu gestalten, die gleichzeitig rechtsgültig ist — etwas, das in Schottland möglich ist, in ihren Heimatländern aber oft nicht. Diese Kombination ist für viele ein echter Augenöffner.

Was bedeutet das konkret für Paare, die offiziell in Schottland heiraten möchten?

Eine der ersten Fragen ist meist: Sollen wir rechtlich zu Hause heiraten und in Schottland eine freie Zeremonie feiern — oder alles hier in Schottland? Dann geht es um ganz praktische Dinge: Kommen wir allein oder mit Familie und Freund:innen? Und vor allem: Wo genau möchten wir heiraten? Die Vielfalt an Landschaften ist riesig — Berge, Küste, Klippen, weiße Sandstrände oder doch eine Stadt. Gerade Paare, die die Natur lieben, haben unglaublich viele Möglichkeiten. Es lohnt sich, sich dafür Zeit zu nehmen, zu spüren und nicht zu schnell zu entscheiden.

Was sollten Paare aus Deutschland unbedingt wissen, bevor sie sich für eine rechtsgültige Trauung in Schottland entscheiden?

Für eine rechtsgültige Hochzeit benötigen Paare ein sogenanntes Marriage Visitor Visa und müssen bestimmte Unterlagen beim zuständigen Standesamt am Hochzeitsort in Schottland einreichen — darunter auch beglaubigte englische Übersetzungen aller deutschsprachigen Dokumente. Es gibt klare Fristen, die man kennen sollte, und es lohnt sich, diese Schritte gut zu koordinieren.

Dudelsackspieler unterzeichnet als Trauzeuge das Marriage Schedule neben Traurednerin Monika Strell in Schottland

Eure Zeugen müssen nicht aus Deutschland anreisen

In Schottland kann dein Trauzeuge auch derjenige sein, der euch in die Zeremonie einspielt — rechtsgültig unterschreiben darf er trotzdem.

Sprache und Kultur — was bilinguale Zeremonien leisten

Du arbeitest bilingual in Deutsch und Englisch. Welche Rolle spielt das bei deiner Arbeit?

Ich bin Österreicherin, Deutsch ist meine Muttersprache, und ich lebe seit über 25 Jahren im Vereinigten Königreich. Viele meiner Paare sprechen sehr gut Englisch — aber für die Zeremonie selbst ist es oft viel stimmiger, in der eigenen Sprache zu bleiben. Teilweise weil Paare sehr persönliche Geschichten, Emotionen und Erinnerungen in der Vorbereitung teilen — das ist nicht die Sprache, die man aus dem Berufsleben oder vom Reisen kennt.

Dazu kommt der kulturelle Aspekt: Humor, emotionale Ausdrucksweise und Erwartungen unterscheiden sich zwischen dem angloamerikanischen und dem deutschsprachigen Raum. Ich übersetze daher nicht einfach, sondern arbeite mit Transkreation: Ich achte darauf, dass Ton, Gefühl und Wirkung für jede Sprach- und Kulturgruppe gleich stimmig sind. Viele Paare sagen mir, wie wohltuend es ist, mit jemandem zu arbeiten, der ihren kulturellen Hintergrund wirklich versteht.

Welche Rolle spielt Sprache bei einer Trauung — gerade für Paare, deren Familien aus verschiedenen Ländern kommen?

Bilinguale Zeremonien sind etwas ganz Besonderes. Natürlich gibt es pragmatische Lösungen, wenn eine Zeremonie nur in einer Sprache stattfindet — aber wenn beide Sprachen integriert werden, entsteht echte Teilhabe. Ich wechsle fließend zwischen Deutsch und Englisch, immer im Rhythmus der Zeremonie, sodass niemand sich ausgeschlossen oder gelangweilt fühlt. Dabei passe ich nicht nur die Sprache, sondern auch die kulturelle Ansprache an — Humor, Emotionen und Bilder wirken je nach Kultur unterschiedlich.

Deutsche Paare gelten oft als sehr strukturiert, Schottland als eher frei und naturverbunden. Wie erlebst du diese Kombination?

Dieses Bedürfnis nach Struktur sehe ich bei meinen deutschsprachigen Paaren durchaus — gleichzeitig haben viele von ihnen eine große Sehnsucht nach Freiheit, sonst würden sie sich vermutlich nicht für Schottland entscheiden. Ich beschreibe mich selbst gern als Chamäleon: Ich passe mich dem an, was ein Paar braucht.

Ich beobachte oft, dass deutschsprachige Paare Entscheidungen gern noch einmal in Ruhe überdenken, während britische Paare häufiger direkt im Gespräch mitentscheiden. Das ist natürlich eine Verallgemeinerung — jedes Paar ist anders. Unterschiede zeigen sich auch bei den gewünschten Elementen der Zeremonie: Musik spielt bei deutschen Paaren oft eine größere Rolle, Lesungen sind weniger gefragt — und wenn, dann eher Prosa als Lyrik. Für mich funktioniert jeder Stil. Es geht nie um mich, sondern immer um das Paar.

Gibt es typische Erwartungen, die sich im Laufe der Planung verändern?

Viele Paare entspannen sich mit der Zeit immer mehr in die Freiheit, die wir hier haben — bei Orten, Tageszeiten und Abläufen. Dass man zu Sonnenaufgang oder -untergang heiraten kann, überrascht viele positiv. Bei Trauungen im Freien ist das Thema Wetter natürlich präsent. Flexibilität zuzulassen ist oft ein Lernprozess, gerade weil eine Destination Wedding viel Planung erfordert. Manchmal kollidieren Planungssicherheit und kreative Freiheit ein wenig — und genau hier begleite ich Paare dabei, realistische und gleichzeitig erfüllende Lösungen zu finden.

Ein häufiger Punkt, wo man Offenheit braucht: Alles soll idealerweise an einem Ort stattfinden — Wasserfall, Dorf, Pub mit Livemusik. Das ist nicht immer realistisch. Dann geht es darum, kreativ zu werden und Träume vielleicht auf mehrere Tage zu verteilen. Und ja: In sehr abgelegenen Gegenden gibt es weniger Pubs mit Livemusik, als man aus Deutschland erwarten würde.

Orte, Natur und Wetter

Schottland erlaubt Trauungen an außergewöhnlichen Orten — von Bergen bis ans Meer. Was ist möglich?

Grundsätzlich ist fast alles möglich, abgesehen von eindeutig privatem Land. Es gibt freien Zugang zu unglaublich vielen Orten mit ganz unterschiedlichem Charakter. Oft beginnen Gespräche mit bekannten Namen wie Glencoe oder der Isle of Skye — und dann sind Paare völlig überrascht, wie groß die Auswahl ist. Weiße Sandstrände, intime Wälder, Wasserfälle — es gibt so viel mehr als die bekannten Hotspots.

Inspiration für schottische Locations findet ihr auch bei Visit Scotland.

Was macht diese Orte emotional so besonders für Zeremonien?

Die schottische Landschaft hat etwas Ehrfurchtgebietendes, das schwer in Worte zu fassen ist. Viele Orte wirken wirklich unberührt. Auch das wechselhafte Wetter, die besondere Geologie und die langen Sommertage tragen dazu bei. Es gibt diese intensiven Farben — das Lila der Heide, das spezielle Licht — all das schafft eine ganz eigene Atmosphäre.

Welche Rolle spielen Natur, Wetter und Landschaft für dich bei der Gestaltung einer Trauung?

Für mich ist die Natur nie nur Kulisse. Gerade weil so viele Paare Schottland so lieben, ist es wichtig zu verstehen, was diese Landschaft in ihnen auslöst: Staunen, Ruhe, Ehrfurcht — oder manchmal auch Überwältigung. Schottland kann groß, rau und mächtig wirken, und es ist mir wichtig, einen Ort zu finden, der sich für das Paar richtig anfühlt. Meine Aufgabe ist es auch, Erwartungen gut zu begleiten, damit aus einem einmaligen Moment kein unnötiger Druck entsteht.

Elopements — heiraten ganz für sich

Viele deutsche Paare entscheiden sich in Schottland bewusst für Elopements oder sehr kleine Feiern. Warum passt dieses Format so gut zu diesem Land?

Diese Form ist unglaublich persönlich und intim — genau das, wonach sich viele sehnen. Außerdem ist sie oft einfacher zu organisieren. Viele der schönsten Orte haben ohnehin keine Infrastruktur für große Gesellschaften. Die Vielfalt der Orte, die Freiheit bei der Wahl des Platzes und die entspannte Haltung in Schottland machen Elopements hier besonders stimmig.

Was verändert sich für ein Paar emotional, wenn es im kleinen Kreis oder ganz für sich heiratet?

Es entsteht viel mehr Raum für das Wesentliche: füreinander. Kein Publikum, keine Erwartungen von außen, keine Rollen. Weniger Logistik bedeutet mehr Ehrlichkeit — auch im Spüren dessen, was man wirklich möchte. Viele Paare merken, dass sie später immer noch groß feiern können. Es ist kein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch.

Rituale, Spiritualität und der Kilt

Du bietest auch interspirituelle oder interreligiöse Zeremonien an. Was heißt das konkret?

Interspirituelle oder interreligiöse Zeremonien schaffen einen Raum, in dem unterschiedliche Glaubensrichtungen, spirituelle Hintergründe oder auch eine bewusste Nicht-Zugehörigkeit respektvoll zusammenkommen können. Es geht nicht darum, Religionen zu vermischen oder Unterschiede zu verwischen, sondern darum, gemeinsame Werte sichtbar zu machen: Liebe, Verbundenheit, Verantwortung, Dankbarkeit. Elemente aus verschiedenen Traditionen können integriert werden, wenn sie für das Paar eine echte Bedeutung haben — immer achtsam, wertschätzend und ohne dogmatische Vorgaben.

Mögen deutsche Paare keltische Rituale — und wie stehst du dazu?

Ja, viele Paare wünschen sich Rituale wie Handfasting, den Quaich oder einen Oathing Stone — oft, weil sie sich Schottland emotional sehr verbunden fühlen und diese Elemente genau das ausdrücken, was sie an diesem Land lieben: Gemeinschaft, Verbindlichkeit, Erdung und eine tiefe Beziehung zur Natur.

Manchmal taucht dabei die Sorge auf, ob das kulturelle Aneignung sein könnte. Für mich ist das nicht der Fall. Ich erlebe diese Rituale vielmehr als ein großzügiges Angebot Schottlands an Paare, die hier heiraten — offen, einladend und dazu gedacht, geteilt zu werden. Entscheidend ist der respektvolle Umgang und die ehrliche Verbindung, nicht die Herkunft.

Auch beim Thema Kilt gilt: Wenn es sich richtig anfühlt, dann passt das. Niemand in Schottland nimmt daran Anstoß — im Gegenteil, es wird als Wertschätzung gesehen.

Was macht eine Trauung in Schottland wirklich gelungen?

Was ist dir bei der Begleitung deutscher Paare besonders wichtig?

Neben der Zeremonie selbst liegt mir das emotionale Wohlbefinden meiner Paare sehr am Herzen. Erwartungen, Vorfreude, Sorgen — all das gehört dazu. Ich arbeite viel mit introvertierten, schüchternen oder neurodivergenten Paaren, und diese Erfahrung hilft mir auch bei Paaren aus dem Ausland. Fern der gewohnten Umgebung können Unsicherheiten schneller auftreten — genau hier halte ich den Raum.

Was macht für dich eine Trauung in Schottland wirklich gelungen?

Wenn sich der Ort am Hochzeitstag genauso gut — oder sogar besser — anfühlt als in der Vorstellung. Nicht unbedingt mit perfektem Wetter, sondern stimmig. Und wenn die Zeremonie „landet": Wenn Worte, Rituale und Momente wahrhaftig sind und ich spüre, dass das Paar diesen Augenblick in sich trägt — als etwas, an das es sich ein Leben lang erinnern wird.

Detailaufnahme der Beine eines Brautpaares auf einem Herbstweg in Schottland, Braut barfuß im weißen Kleid, Bräutigam im traditionellen Kilt

Was würdest du einem deutschen Paar sagen, das mit dem Gedanken spielt, in Schottland zu heiraten — aber noch zögert?

Träumt groß — und bleibt gleichzeitig realistisch. Stellt Fragen, euch selbst und euren Dienstleister:innen. Wägt ab. Und wenn es sich richtig anfühlt: Habt den Mut, es zu wagen. Mit der richtigen Unterstützung kann es genau das werden, was ihr euch erhofft habt — und oft noch mehr.

Mehr von Monika Strell und ihren Hochzeitsgeschichten aus Schottland findet ihr auf alltheceremoniesofthenorth.co.uk.


Noch mehr für eure Planung

Wenn euch dieses Gespräch Lust gemacht hat, ernsthaft über Schottland nachzudenken — hier findet ihr die nächsten Schritte.

Alles was ihr rechtlich wissen müsst, um in Schottland gültig zu heiraten: Fristen, Dokumente, Visa und was das für deutsche Paare konkret bedeutet, habe ich in einem eigenen Artikel zusammengefasst.

Rechtsgültig heiraten in Schottland

Und wenn ihr neben der Zeremonie auch Unterstützung bei der Planung sucht — oder jemanden, der euch am Hochzeitsmorgen begleitet — könnt ihr euch gerne direkt bei mir melden. Egal ob Brautstyling, Hochzeitsplanung oder beides. Lasst uns auf einen Kaffee treffen und schauen, wie ich euch unterstützen kann.

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Rechtsgültig heiraten in Schottland: So flexibel und persönlich kann eure Trauung sein